Mittwoch, 30. September 2009
Montag, 21. September 2009
15 Millionen Euro für sechs Monate Arbeit
NZZ am Sonntag
06. September 2009
15 Millionen Euro Abfindung für ein halbes Jahr Arbeit
Gescheiterte Manager lassen sich ihren Abgang vergolden. Das sorgt in Deutschland für hitzige Diskussionen.
Von Susanne Ziegert, Berlin
Er war die letzte Hoffnung der 50 000 Mitarbeiter des Arcandor-Konzerns. Im März versprach der neue Chef Karl-Gerhard Eick, «die Ärmel hochzukrempeln» und den Kaufhauskonzern aus der finanziellen Notlage zu befreien. Doch es gelang ihm nicht, das von den Vorgängern heruntergewirtschaftete Unternehmen zu retten. Weder die Umstrukturierung noch die Investorensuche glückte. In dieser Woche wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, der erfolglose Chef trat zurück.
Im Gegensatz zu den Mitarbeitern hat er finanziell ausgesorgt. Für seinen exakt 185 Tage währenden Einsatz bekommt er eine Abfindung von 15 Mio. €. Diese Summe hatte der frühere Telekom-Manager vor seinem Antritt mit der Grossaktionärin, der Privatbank Sal. Oppenheim, ausgehandelt. Für jeden Arbeitstag erhält Eick somit 81 000 €, während sich der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer bei seinem Ausscheiden mit einem Monatsgehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit begnügen muss.
Merkel markiert Empörung
Die fürstliche Entlohnung für ein halbes Jahr Erfolglosigkeit hat heftige Kritik ausgelöst. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel verlor die Contenance: «Wenn Manager nach einem halben Jahr Arbeit mit 15 Mio. € abgefunden werden, dann geht etwas kaputt ins unserem Land», kritisierte sie.
«Ich bin nicht gierig, aber auch nicht blöd», verteidigte sich Eick: «Niemand hätte so eine Aufgabe ohne Absicherung angenommen.» Der gescholtene Manager kündigte mittlerweile an, er wolle ein Drittel der Summe seinen ehemaligen Mitarbeitern spenden.
Mildtätig hatte sich auch der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gezeigt, dessen Abgang im Juli mit einer Abfindung von 50 Mio. € versüsst wurde: Er spendet die Hälfte der Summe - 1,5 Mio. € davon für «notleidende Journalisten im Alter». Während seiner Tätigkeit war Wiedeking Spitzenverdiener in Europa - mit einer Vergütung von 77 Mio. € im letzten Jahr. Im Gegensatz zu Eick hat er seine Firma jedoch saniert und zum profitabelsten Autohersteller getrimmt.
Doch am Ende hatten er und Finanzchef Holger Härter, der mit 12,5 Mio. € verabschiedet wurde, Porsche ins Abseits manövriert. Der Sportwagenbauer pokerte beim Übernahmeangriff auf Volkswagen zu hoch - kurzzeitig drohte gar die Zahlungsunfähigkeit. Die trickreiche Attacke auf VW hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf den Plan gerufen: Sie ermittelt wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und des Verdachts der Weitergabe von Insiderinformationen. Kürzlich durchsuchten Ermittler den Firmensitz und die Privatdomizile der Ex-Vorstände. Die Auswertung des Materials werde mindestens sechs Monate dauern, schätzt Staatsanwältin Claudia Krauth.
Schadenersatzklagen drohen
Mehrere Anwaltskanzleien sammeln Material für mögliche Schadensersatz-klagen von Anlegern. «Es geht darum, ob gesetzliche Informationspflichten verletzt wurden, relevante Ereignisse verschwiegen oder falsch dargestellt wurden und so gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstossen wurde», erklärt der Anwalt Felix Weigand von der Münchner Kanzlei Rotter. Wenn solche Pflichtverletzungen nachgewiesen werden, sieht er «Schadenersatzansprüche im dreistelligen Millionenbereich» auf die Holding zukommen. Die hohe Abfindung hält Weigand hingegen juristisch nicht für anfechtbar. Bei einer Schadenersatzzahlung durch Porsche könnten die Ex-Vorstände jedoch zur Kasse gebeten werden.
Bei den Summen, die gescheiterte Manager heute kassieren, verblassen die rund 30 Mio. € Abfindung, die der Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser einstrich. Empörung hatte auch der goldene Handschlag an den ehemaligen Postchef Klaus Zumwinkel ausgelöst, der wegen der Steueraffäre zurücktrat. Obwohl die Post hohe Verluste schrieb, hatte er sich seine Pension von 20 Mio. € auf einmal auszahlen lassen. Nahezu bescheiden nimmt sich da die Zahlung an den Bahnchef Hartmut Mehdorn aus, der nach der Spitzelaffäre und dem monatelangen Chaos wegen defekter Zug-Achsen seinen Hut nahm und bei seinem Abgang «nur» 4,8 Mio. € erhielt.
Diesen Artikel finden Sie auf NZZGlobal unter: http://www.nzz.ch/global
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Copyright (c) Neue Zürcher Zeitung AG
06. September 2009
15 Millionen Euro Abfindung für ein halbes Jahr Arbeit
Gescheiterte Manager lassen sich ihren Abgang vergolden. Das sorgt in Deutschland für hitzige Diskussionen.
Von Susanne Ziegert, Berlin
Er war die letzte Hoffnung der 50 000 Mitarbeiter des Arcandor-Konzerns. Im März versprach der neue Chef Karl-Gerhard Eick, «die Ärmel hochzukrempeln» und den Kaufhauskonzern aus der finanziellen Notlage zu befreien. Doch es gelang ihm nicht, das von den Vorgängern heruntergewirtschaftete Unternehmen zu retten. Weder die Umstrukturierung noch die Investorensuche glückte. In dieser Woche wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, der erfolglose Chef trat zurück.
Im Gegensatz zu den Mitarbeitern hat er finanziell ausgesorgt. Für seinen exakt 185 Tage währenden Einsatz bekommt er eine Abfindung von 15 Mio. €. Diese Summe hatte der frühere Telekom-Manager vor seinem Antritt mit der Grossaktionärin, der Privatbank Sal. Oppenheim, ausgehandelt. Für jeden Arbeitstag erhält Eick somit 81 000 €, während sich der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer bei seinem Ausscheiden mit einem Monatsgehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit begnügen muss.
Merkel markiert Empörung
Die fürstliche Entlohnung für ein halbes Jahr Erfolglosigkeit hat heftige Kritik ausgelöst. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel verlor die Contenance: «Wenn Manager nach einem halben Jahr Arbeit mit 15 Mio. € abgefunden werden, dann geht etwas kaputt ins unserem Land», kritisierte sie.
«Ich bin nicht gierig, aber auch nicht blöd», verteidigte sich Eick: «Niemand hätte so eine Aufgabe ohne Absicherung angenommen.» Der gescholtene Manager kündigte mittlerweile an, er wolle ein Drittel der Summe seinen ehemaligen Mitarbeitern spenden.
Mildtätig hatte sich auch der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gezeigt, dessen Abgang im Juli mit einer Abfindung von 50 Mio. € versüsst wurde: Er spendet die Hälfte der Summe - 1,5 Mio. € davon für «notleidende Journalisten im Alter». Während seiner Tätigkeit war Wiedeking Spitzenverdiener in Europa - mit einer Vergütung von 77 Mio. € im letzten Jahr. Im Gegensatz zu Eick hat er seine Firma jedoch saniert und zum profitabelsten Autohersteller getrimmt.
Doch am Ende hatten er und Finanzchef Holger Härter, der mit 12,5 Mio. € verabschiedet wurde, Porsche ins Abseits manövriert. Der Sportwagenbauer pokerte beim Übernahmeangriff auf Volkswagen zu hoch - kurzzeitig drohte gar die Zahlungsunfähigkeit. Die trickreiche Attacke auf VW hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf den Plan gerufen: Sie ermittelt wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und des Verdachts der Weitergabe von Insiderinformationen. Kürzlich durchsuchten Ermittler den Firmensitz und die Privatdomizile der Ex-Vorstände. Die Auswertung des Materials werde mindestens sechs Monate dauern, schätzt Staatsanwältin Claudia Krauth.
Schadenersatzklagen drohen
Mehrere Anwaltskanzleien sammeln Material für mögliche Schadensersatz-klagen von Anlegern. «Es geht darum, ob gesetzliche Informationspflichten verletzt wurden, relevante Ereignisse verschwiegen oder falsch dargestellt wurden und so gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstossen wurde», erklärt der Anwalt Felix Weigand von der Münchner Kanzlei Rotter. Wenn solche Pflichtverletzungen nachgewiesen werden, sieht er «Schadenersatzansprüche im dreistelligen Millionenbereich» auf die Holding zukommen. Die hohe Abfindung hält Weigand hingegen juristisch nicht für anfechtbar. Bei einer Schadenersatzzahlung durch Porsche könnten die Ex-Vorstände jedoch zur Kasse gebeten werden.
Bei den Summen, die gescheiterte Manager heute kassieren, verblassen die rund 30 Mio. € Abfindung, die der Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser einstrich. Empörung hatte auch der goldene Handschlag an den ehemaligen Postchef Klaus Zumwinkel ausgelöst, der wegen der Steueraffäre zurücktrat. Obwohl die Post hohe Verluste schrieb, hatte er sich seine Pension von 20 Mio. € auf einmal auszahlen lassen. Nahezu bescheiden nimmt sich da die Zahlung an den Bahnchef Hartmut Mehdorn aus, der nach der Spitzelaffäre und dem monatelangen Chaos wegen defekter Zug-Achsen seinen Hut nahm und bei seinem Abgang «nur» 4,8 Mio. € erhielt.
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Opel NZZ 13.9.
Russland und China kaufen sich in Europa ein
General Motors verkauft Opel zu 27% an Russland. Und an Saab und Volvo sind chinesische Hersteller interessiert.
Susanne Ziegert, Berlin
Fast schien es, als wolle der Verhandlungsführer von General Motors eine Träne verdrücken. «Hätten wir mit unserem Herzen entschieden, wäre es anders ausgefallen. Doch wir mussten mit unserem Verstand entscheiden», kommentiert John Smith die Abgabe der Mehrheit von Opel an den Autozulieferer Magna und die russische Sberbank. 80 Jahre Firmengeschichte verbinden Opel mit GM. Doch der Mutterkonzern in Detroit kann das Geld für die Weiterführung des Unternehmens nicht aufbringen: Die Hilfe des amerikanischen Staates darf nicht ausserhalb der USA ausgegeben werden.
Lohnverzicht gegen Aktien
Der Rückzug von GM leitet eine Neuordnung in Europas Autobranche ein. Bis zuletzt hatten einige Topmanager von GM Bedenken gegen den Einstieg russischer Investoren. Doch die Aussicht auf die staatliche Mitgift der deutschen Regierung gab am Ende offenbar den Ausschlag für die Entscheidung. Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna International und die russische Sberbank übernehmen nun jeweils zur Hälfte 55% der Firmenanteile an «New Opel», 35% verbleiben bei GM, und 10% der Anteile sollen künftig den Mitarbeitern gehören. Als Gegenleistung soll die Belegschaft laut Plan auf Lohnbestandteile in Höhe von 1,2 Mrd. € verzichten.
Noch stehen zähe Verhandlungen an: Magna-Gründer Frank Stronach hat harte Einschnitte angekündigt, um die tiefrote Zahlen schreibende Opel wieder konkurrenzfähig zu machen: Über 10 000 Stellen wollen die neuen Eigentümer abbauen - ein Viertel davon in Deutschland. Bis Ende November, kündigte GM-Verhandlungschef John Smith an, sollen die Verträge unterzeichnet werden. Nach dem Überbrückungskredit der deutschen Regierung über 1,5 Mrd. € sind weitere Hilfen in der Höhe von 3 Mrd. € zugesagt.
Ausgerechnet die Vertreter der Regierung und der Bundesländer in der Opel-Treuhand äussern sich kritisch zu den Plänen. Der langjährige Continental-Chef Manfred Wennemer hatte gegen das Konzept gestimmt: «Das ist keine Lösung, die Opel am Ende in ein wettbewerbsfähiges Unternehmen verwandelt. Es ist gut möglich, dass New Opel 2010 oder 2011 zum Insolvenzrichter gehen muss.»
Stattdessen sei politisch entschieden worden, das Risiko trage der Steuerzahler: Magna starte mit zu wenig Eigenkapital. «Nach den Plänen sollen 10% Eigenkapital eingebracht werden, doch selbst sogenannte Heuschrecken galten mit 25% Eigenkapital als unterkapitalisiert», so Wennemer. Zuversichtlicher gibt sich Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg: «Dank dem russischen Partner Gaz öffnet sich für Opel ein Zukunftsmarkt.» Magna hat angekündigt, in Russland einen Marktanteil von 20% anzupeilen. Die Hoffnungen von Gaz ruhen auf Opel: Geplant ist ein gemeinsamer Wagen im Billigsegment.
«Das ist eine richtige Weichenstellung. Der Dacia Logan hat gezeigt, dass sich dieses Segment schnell entwickelt», so Dudenhöffer. Ein solches Modell könne in drei bis vier Jahren entwickelt werden und sich sowohl in Russland als auch in Westeuropa verkaufen. Daneben sieht Dudenhöffer Chancen für ein gemeinsames Offroadfahrzeug für den russischen Markt.
Chinesen buhlen um Saab, Volvo
Bei der früheren schwedischen GM-Tochter Saab richten sich die Hoffnungen jedoch gen China. In dieser Woche unterzeichnete der fünftgrösste chinesische Autohersteller, die Beijing Automotive Industrie Corporation (BAIC), eine Absichtserklärung über eine Beteiligung an der Koenigsegg Group.
BAIC soll mit 300 Mio. € die Finanzierungslücke des winzigen Sportwagenbauers bei der Saab-Übernahme schliessen. Wenn das Geschäft aufgeht, steigen die Chancen auf eine Bürgschaft von Schweden für einen Kredit der Europäischen Investitionsbank. Allerdings war BAIC zuvor schon als Opel-Interessent gescheitert. «Das Unternehmen ist ein Start-up, das 2008 nur 12 000 eigene Fahrzeuge gebaut hat und eine eigene Marke entwickeln will. BAIC hat weder die Grösse noch die Erfahrung für ein solches Vorhaben», so Ferdinand Dudenhöffer warnend. Die meisten der unter der Marke BAIC abgesetzten Wagen entstammen Joint Ventures mit Hyundai und Daimler. Mehr Chancen gibt er dem chinesischen Autobauer Geely, der um die Ford-Tochter Volvo wirbt. Geely verkaufte im letzten Jahr 221 000 Fahrzeuge und verspricht sich durch den Einstieg den Zugang zu moderner Technologie. «Damit könnte sich Geely in der Oberklasse positionieren», so Dudenhöffer. Der Einstieg würde den Chinesen den Eintritt in den westeuropäischen Markt erleichtern
General Motors verkauft Opel zu 27% an Russland. Und an Saab und Volvo sind chinesische Hersteller interessiert.
Susanne Ziegert, Berlin
Fast schien es, als wolle der Verhandlungsführer von General Motors eine Träne verdrücken. «Hätten wir mit unserem Herzen entschieden, wäre es anders ausgefallen. Doch wir mussten mit unserem Verstand entscheiden», kommentiert John Smith die Abgabe der Mehrheit von Opel an den Autozulieferer Magna und die russische Sberbank. 80 Jahre Firmengeschichte verbinden Opel mit GM. Doch der Mutterkonzern in Detroit kann das Geld für die Weiterführung des Unternehmens nicht aufbringen: Die Hilfe des amerikanischen Staates darf nicht ausserhalb der USA ausgegeben werden.
Lohnverzicht gegen Aktien
Der Rückzug von GM leitet eine Neuordnung in Europas Autobranche ein. Bis zuletzt hatten einige Topmanager von GM Bedenken gegen den Einstieg russischer Investoren. Doch die Aussicht auf die staatliche Mitgift der deutschen Regierung gab am Ende offenbar den Ausschlag für die Entscheidung. Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna International und die russische Sberbank übernehmen nun jeweils zur Hälfte 55% der Firmenanteile an «New Opel», 35% verbleiben bei GM, und 10% der Anteile sollen künftig den Mitarbeitern gehören. Als Gegenleistung soll die Belegschaft laut Plan auf Lohnbestandteile in Höhe von 1,2 Mrd. € verzichten.
Noch stehen zähe Verhandlungen an: Magna-Gründer Frank Stronach hat harte Einschnitte angekündigt, um die tiefrote Zahlen schreibende Opel wieder konkurrenzfähig zu machen: Über 10 000 Stellen wollen die neuen Eigentümer abbauen - ein Viertel davon in Deutschland. Bis Ende November, kündigte GM-Verhandlungschef John Smith an, sollen die Verträge unterzeichnet werden. Nach dem Überbrückungskredit der deutschen Regierung über 1,5 Mrd. € sind weitere Hilfen in der Höhe von 3 Mrd. € zugesagt.
Ausgerechnet die Vertreter der Regierung und der Bundesländer in der Opel-Treuhand äussern sich kritisch zu den Plänen. Der langjährige Continental-Chef Manfred Wennemer hatte gegen das Konzept gestimmt: «Das ist keine Lösung, die Opel am Ende in ein wettbewerbsfähiges Unternehmen verwandelt. Es ist gut möglich, dass New Opel 2010 oder 2011 zum Insolvenzrichter gehen muss.»
Stattdessen sei politisch entschieden worden, das Risiko trage der Steuerzahler: Magna starte mit zu wenig Eigenkapital. «Nach den Plänen sollen 10% Eigenkapital eingebracht werden, doch selbst sogenannte Heuschrecken galten mit 25% Eigenkapital als unterkapitalisiert», so Wennemer. Zuversichtlicher gibt sich Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg: «Dank dem russischen Partner Gaz öffnet sich für Opel ein Zukunftsmarkt.» Magna hat angekündigt, in Russland einen Marktanteil von 20% anzupeilen. Die Hoffnungen von Gaz ruhen auf Opel: Geplant ist ein gemeinsamer Wagen im Billigsegment.
«Das ist eine richtige Weichenstellung. Der Dacia Logan hat gezeigt, dass sich dieses Segment schnell entwickelt», so Dudenhöffer. Ein solches Modell könne in drei bis vier Jahren entwickelt werden und sich sowohl in Russland als auch in Westeuropa verkaufen. Daneben sieht Dudenhöffer Chancen für ein gemeinsames Offroadfahrzeug für den russischen Markt.
Chinesen buhlen um Saab, Volvo
Bei der früheren schwedischen GM-Tochter Saab richten sich die Hoffnungen jedoch gen China. In dieser Woche unterzeichnete der fünftgrösste chinesische Autohersteller, die Beijing Automotive Industrie Corporation (BAIC), eine Absichtserklärung über eine Beteiligung an der Koenigsegg Group.
BAIC soll mit 300 Mio. € die Finanzierungslücke des winzigen Sportwagenbauers bei der Saab-Übernahme schliessen. Wenn das Geschäft aufgeht, steigen die Chancen auf eine Bürgschaft von Schweden für einen Kredit der Europäischen Investitionsbank. Allerdings war BAIC zuvor schon als Opel-Interessent gescheitert. «Das Unternehmen ist ein Start-up, das 2008 nur 12 000 eigene Fahrzeuge gebaut hat und eine eigene Marke entwickeln will. BAIC hat weder die Grösse noch die Erfahrung für ein solches Vorhaben», so Ferdinand Dudenhöffer warnend. Die meisten der unter der Marke BAIC abgesetzten Wagen entstammen Joint Ventures mit Hyundai und Daimler. Mehr Chancen gibt er dem chinesischen Autobauer Geely, der um die Ford-Tochter Volvo wirbt. Geely verkaufte im letzten Jahr 221 000 Fahrzeuge und verspricht sich durch den Einstieg den Zugang zu moderner Technologie. «Damit könnte sich Geely in der Oberklasse positionieren», so Dudenhöffer. Der Einstieg würde den Chinesen den Eintritt in den westeuropäischen Markt erleichtern
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